Wer klagt für die Fußballfans?

Die Monopolisierung der Fernsehrechte an den Bundesligaspielen durch Premiere und seinen Sublizenznehmer ATVplus führt zu einem Schaden, den Sponsoren und Konsumenten gemeinsam zu tragen haben:

 

Gegenüber der früheren Durchschnittsreichweite von 333.000 Zuschauern beim ORF versammeln sich vor dem ATVplus Bildschirm beharrlich nur mehr knapp 70.000 Fans. Fraglich ist, ob dieser Zustand hingenommen werden muss. Das neue EU-Kartellrecht gestattet es, privaten Unternehmen ebenso wie etwa dem Verband für Konsumenteninformation (VKI) einen Kartellmissbrauch gerichtlich zu bekämpfen. Der österreichische Fußballverein ist ein marktherrschendes Kartell. Ein Verein, der sich seinem Dictum nicht unterwirft, riskiert den Ausschluss und kann an Bundesligaspielen nicht teilnehmen. Werden durch die Vergabe von Exklusivrechten Mitbewerber aus dem Fernsehmarkt verdrängt oder wird Konsumenten der Zugang zur Übertragung erschwert oder gar unmöglich gemacht, kann ein Missbrauch dieser marktbeherrschenden Stellung vorliegen.

Die EU-Kommission hat am 17. September 2004 im Fall des deutschen Fußballbundes eine richtungsweisende Entscheidung gefällt. Ungeachtet der Zulässigkeit der Vergabe von Live-Übertragungsrechten muss jeder Verein das Recht behalten, „sein“ Spiel nach Ablauf der offiziellen Spielzeit frei zu vermarkten.

Diese Regelung kommt den Fans und den Klubs entgegen. In den USA liefert schon heute eine Vielzahl von Fernsehsendern ihren Soccer- und Fußballverein, ein Sponsor oder der VKI dazu, den Kartellmissbrauch durch den Fußballbund und den Pay-TV Sender Premiere gerichtlich abzustellen. Die Fans würden es ihm danken.

 

Wichtig:

· Unternehmen überwachen den Wettbewerb (privat enforcement)

· Der Fußballbund ist ein Kartell

· Kartellmissbrauch ist verboten

· Übertragungsrechte müssen liberalisiert werden.

 

Ausgabe: Horizont Nr.43