Auf "Brautschau" begeben

Georg Zanger: Chinesische Unternehmen müssen ihre Chancen noch stärker nützen - und in Österreich investieren
Georg Zanger: Chinesische Unternehmen müssen ihre Chancen noch stärker nützen - und in Österreich investieren

Chinesische Investitionen in Österreich

 

Deng Xiao Pings Politik öffnete die Wirtschaft für ausländische Investitionen und die Marktmechanismen unter Beibehaltung der politischen Macht der KPCh. Die Marktwirtschaft und der damit verbundene freie Wettbewerb fand Einzug in die industrialisierten Ostregionen der VR China. Im Laufe der Jahre entwickelten sich neben staatlichen auch halbstaatliche Unternehmen, die privatwirtschaftlich geführt wurden und schließlich wurde die Gründung privater Unternehmen zugelassen. Seit Dengs Tod wächst die chinesische Wirtschaft regelmäßig mit mindestens 8 %. Die Zuwachsraten konnten sogar während der aktuellen weltweiten Wirtschaftskrise gehalten werden.

 

Parallel zur Wirtschaftsöffnung wurden Gesetze beschlossen, die auch nach unseren Vorstellungen modern und marktwirtschaftlich orientiert sind. Dadurch wurde aber auch ein Standard geschaffen, der es ausländischen Investoren ermöglicht, unter rechtlich sicheren Bedingungen Beteiligungen an chinesischen Firmen einzugehen oder selbst eigene Firmen in der VR China zu gründen.

 

Im Rahmen der „Going Global“-Strategie der Volksrepublik China werden finanzielle Investitionen chinesischer Firmen durch die Volksrepublik China politisch unterstützt. Die Zentralregierung, die das Geschehen dirigiert, schrieb schon vor fünf Jahren einen „Leitkatalog für Auslandsinvestitionen“, ergänzt um die patriotische Parole „Schwärmt aus“. Tatsächlich ist eine zunehmende Diversifikation privater chinesischer Firmen im Ausland zu beobachten.

 

Große international tätige Firmen haben die Möglichkeit der internationalen Zusammenarbeit seit langem genutzt. Heute finden sich chinesische Beteiligungen in internationalen Energieunternehmen ebenso wie z.B. in der Autoindustrie, zuletzt durch Übernahme der Automarke „Volvo“.

 

Klein- und Mittelbetrieben fehlen Informationen über die entscheidenden Faktoren für Investitionen im Ausland. Sie haben keine ausreichenden Kontakte, um den Markt zu überblicken, sie sind daher auch derzeit noch nicht in der Lage, die günstigen Möglichkeiten der Beteiligung zu Schnäppchenpreisen am krisengeschüttelten kapitalistischen Markt vor allem in Europa wahrzunehmen. Darüber hinaus fehlt diesen Unternehmen das Wissen über die konkreten Investitionsbedingungen und den gesetzlichen Schutz vor Ort.

 

Die in der VR China niedergelassenen Außenwirtschaftskammern sind vor allem bei Investitionen in der VR China behilflich, selten verirren sich dorthin aber chinesische Investoren. Es ist daher notwendig, Aktivitäten zu entfalten, die den Informationsfluss zu potentiellen Investoren ermöglichen und fördern. Das gilt vor allem für Investitionen in österreichische Unternehmen. Tatsächlich verirren sich nur wenige chinesische Firmeninhaber nach Österreich und umgehen unser Land. Zum Beispiel hat der weltweit bekannte Haier-Konzern, der technologisch hochwertige Haushaltsgeräte herstellt, seine europäischen Niederlassungen nördlich und südlich von Österreich, in Deutschland und Italien gewählt, obwohl er die gleichen rechtlichen und wirtschaftlichen Bedingungen auch bei uns erhalten hätte.

 

In Österreich gibt es fast keine konkreten Beschränkungen für ausländische und damit auch chinesische Investitionen. Es können sowohl Aktien börsennotierter Firmen ohne Sondergenehmigung erworben werden als auch Beteiligungen an anderen Unternehmen erworben werden. Für Investitionen, die Arbeitsplätze sichern, können staatliche Beihilfen beansprucht werden. Österreich liegt in der Mitte Europas und verfügt über eine Vielzahl von hervorragend aufgestellten Unternehmen, die Investitionen lohnen würden. Die Republik Österreich bietet darüber hinaus eine Plattform für Investitionen in die EU und vor allem in die neu hinzugekommenen europäischen Staaten in Osteuropa. Die Tatsache, dass österreichische Banken in diesen Regionen besonders stark vertreten sind, bietet die Möglichkeit des unmittelbaren Zugangs zu den dort gelegenen Unternehmen. Durch diese Verbindungen ist es auch möglich, einen Überblick über interessante, investitionswürdige Unternehmen in Osteuropa zu erhalten. Es zahlt sich aus, in Österreich zu investieren!

 

Das war einer der Gründe, weshalb ich mich vor vier Jahren entschlossen habe, einen ungewöhnlichen Schritt zu setzen und ergänzend zu meiner Tätigkeit als Rechtsanwalt in Österreich auf „Brautschau“ nach seriösen, für Investitionen gut geeignete Unternehmen in Österreich zu gehen und diese mit chinesischen Investoren zu „verbinden“. Bei meiner letzten Reise nach Shanghai ist es mir bereits gelungen, zwei Unternehmen konkret zusammenzuführen. Ein kleiner Erfolg, dem weitere folgen werden.

 

Meine Kontakte laufen über große chinesische Rechtsanwaltssozietäten. Diese musste ich auch erst davon überzeugen, dass es sich auszahlt, über das bereits bestehende Mandat hinaus geeignete merger&acquisition-Partner für Investitionen im Ausland zu suchen. Mit einigen Kanzleien habe ich Partnerschaftsverträge abgeschlossen. In regelmäßigen Abständen führe ich österreichische Unternehmer nach China und stelle deren Wünsche nach Beteiligungen vor. Meine Kollegen stellen die Projekte auf ihre Homepage. Die Klienten meiner Kollegen haben so die Möglichkeit, interessante Investitionsmöglichkeiten kennenzulernen.

 

Vorige Woche habe ich darüber hinaus in Wien einen Verein unter dem Namen „European Chinese Business Association“ gegründet. Mitglieder können österreichische und chinesische Unternehmer werden, die an bilateralen Investitionen Interesse zeigen. Gleichzeitig laufen Bemühungen, in der VR China eine „Chinese Chamber of Commerce“ in Anlehnung an die US-„American Chamber“ zu gründen und für diese Zweigniederlassungen in Österreich und anderen europäischen Staaten zu errichten.

 

Im Wettbewerb zwischen der Volksrepublik China, den USA und Europa müssen wir Europäer Anstrengungen unternehmen, um nicht das Nachsehen zu haben. Gerade deshalb wäre es begrüßenswert, wenn private chinesische Unternehmen stärker als bisher ihre Chancen auch darin wahrnehmen würden, in Österreich zu investieren.



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