Praxis von DNA-Analysen

Trotz DNA: Im Zweifel für den Angeklagten

 

Im Rahmen einer mehrwöchigen Ausbildung hat sich Dr. Georg Zanger mit der Problematik von DNA-Analysen auseinandergesetzt. DNA-Werte geben immer nur Vergleichswerte gemessen an der Gesamtbevölkerung an. Selbst 1 % der Gesamtbevölkerung von Österreich lässt eine Auswahl von ca. 70.000 Menschen zu. Eine Wahrscheinlichkeit mit 99 %  ist daher nicht geeignet, den Täter zu überführen, wenn nicht andere Beweise dazu geeignet sind. DNA-Analysen dürfen daher nur im Zusammenhang mit anderen Beweisen gewertet werden. Dazu kommt, dass in jedem Fall überprüft werden muss, wie die Vergleichsgrundlage geschaffen wurde. Es geht darum, festzustellen, wieviele Vergleichspersonen für die Feststellung von Vergleichswerten untersucht wurden. Um verlässliche Aussagen machen zu können, muss es sich mindestens um 1.000 Personen handeln. Die Untersuchungen müssten darüber hinaus in einem repräsentativen Vergleichsgebiet bezogen werden, um zu verhindern, dass untersuchte Personen miteinander in Verwandtschaftsbeziehungen stehen. Insbesondere in Gegenden, in denen Isolate bekannt sind, wie dies z. B. in der Schweiz der Fall ist, muss auf das Phänomen der vererbten Gene Rücksicht genommen werden.

 


Schließlich muss bedacht werden, dass es Abhängigkeiten zwischen verschiedenen Genorten gibt. Wenn jemand blonde Haare hat, ist es wahrscheinlicher, dass er blaue Augen hat, als dunkle Augen. Umgekehrt kommt es selten vor, dass dunkelhaarige Menschen blaue Augen haben. Dasselbe gilt für die Abhängigkeit aller Genorte. Es gibt Untersuchungsmethoden, die Aufklärung geben, ob eine Abhängigkeit im konkreten Fall vorliegt. Werden solche Untersuchungen nicht vorgenommen, kann von einer sicheren DNA-Analyse nicht ausgegangen werden. Schließlich ist zu beachten, dass alle DNA-Proben kontaminiert, d. h. infiziert werden können. So wie wir durch Viren ansteckbar sind, gilt dies auch für DNA-Proben. Kommen DNA-Flüssigkeiten mit anderen Flüssigkeiten in Kontakt, ist die DNA-Analyse nicht mehr aussagekräftig. Das gilt aber auch dann schon, wenn bloße Speichelspuren des untersuchenden Arztes oder Schweißspuren seiner Hände mit DNA-Proben in Kontakt kommen.

 

 

 


weiter zu ...