Er kämpft vor Gericht gegen die Diskriminierung von Chinesen

Er kämpft vor Gericht gegen die Diskriminierung von Chinesen

Interview mit dem berühmten österreichischen Anwalt Prof. Dr. Georg

Zanger

15. Oktober 2017, Nachrichtenabteilung WeiCheng (WeCity)

 

Der bekannte österreichische Anwalt und Gründer der Austrian Chinese Business Association (ACBA), Prof. Dr. Georg Zanger, setzt sich seit vielen Jahren für die Stärkung der sino-österreichischen Wirtschaftsbeziehungen ein. Er unterstützt die Kommunikation und Kooperation von Unternehmen beider Länder und widmet sich intensiv dem Ausbau der gemeinsamen Wirtschaftszusammenarbeit.

 

Prof. Zanger machte seinen Abschluss am Institut für Rechtswissenschaften der Universität Wien, an der er auch seinen Doktortitel erwarb. Von 2003 bis 2005 erlangte er einen Magisterabschluss an der renommierten Hochschule St. Gallen. In diese Zeit fällt auch ein Aufenthalt an der amerikanischen Harvard Universität, an der er Mediation studierte.

Seit 1977 ist Prof. Zanger Spezialist für Wirtschafts- und Menschenrecht sowie für Fragen des Urheberrechts. Seine Kanzlei „zanger-bewegt“, die sich mit diesen Themen auseinandersetzt, ist seit vielen Jahren am Neuen Markt in Wien ansässig. Als persönlicher Berater war Prof. Zanger für die ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten Heinz Fischer und Thomas Klestil, und für den ehemaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky tätig. Er ist Mitglied im Beratergremium für die Wiederwahl des amtierenden Bundeskanzlers Christian Kern. 

 

Neben seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt hat er Gastprofessuren an der Universität Wien und an der Universität Salzburg inne, und er ist als Verfasser einer Vielzahl von Fachbüchern bekannt. Im März 2017 wurde ihm vom österreichischen Bundespräsidenten, als besondere Ehrung und zum Dank für seine Verdienste um die österreichisch-chinesischen Beziehungen, der Professorentitel verliehen. Kürzlich besuchte ich Prof. Zanger in seinem Haus, um ein Interview mit ihm zu führen. Nachdem er Anzug und Lederschuhe gegen bequeme Freizeitkleidung getauscht hatte, hieß er mich herzlich willkommen. Seine freundliche und zugängliche Art hinterließ bei mir sogleich einen tiefen Eindruck. Sich mit ihm zu unterhalten ist eine sehr freudvolle Angelegenheit. Seine leicht verständliche Art, Fragen zu beantworten, ist auch für den Zuhörer seiner politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Ansichten ein Gewinn. Offen spricht Prof. Zanger darüber, dass er zum großen Teil aufgrund des Einflusses seines Vaters Anwalt geworden ist. Eine wichtige Rolle spielte aber auch, dass diese Tätigkeit sein Bedürfnis nach Herausforderung und Neuheit befriedigt. Als Anwalt, der öffentlich Widerstand gegen Rechtsextremismus leistet, drückt Prof. Zanger sein absolutes Unverständnis gegenüber dem Phänomen des Populismus aus, der in den letzten Jahren wieder in allen europäischen Ländern sein Haupt erhebt. Seiner Ansicht nach ist Österreich ein in politischer und kultureller Hinsicht durch und durch pluralistisches Land. Nach dem zweiten Weltkrieg kamen viele Ausländer und Arbeiter, um hier zu arbeiten und zu leben. Obwohl sie aus unterschiedlichsten Ländern und Regionen stammten, waren sie verständnisvoll und nachsichtig gegeneinander, und errichteten gemeinsam jenes Österreich, das wir heute sehen: Eine harmonische und prosperierende Gesellschaft. 

 

Auch angesichts der hitzigen Debatte über die Frage der „Flüchtlinge“ äußert Prof. Zanger seine eigene Meinung. Er sagt: „Da Österreich vielerlei Staatsverträge unterzeichnet hat, wie bspw. die Europäische Menschenrechtskonvention und die Genfer Flüchtlingskonvention, müssen

wir nicht darüber diskutieren, ob wir Flüchtlinge aufnehmen oder nicht. Als eines der Unterzeichnerländer ist Österreich verpflichtet, sie aufzunehmen und für ihre Sicherheit zu sorgen. Das ist unsere Pflicht“ Prof. Zanger sieht einige der Hilfsmaßnahmen, die vonseiten der österreichischen Regierung zu Beginn der Flüchtlingskrise umgesetzt wurden, sehr positiv. Besonders bringt er seine Wertschätzung gegenüber dem damaligen ÖBB-Chef und jetzigen Bundeskanzler Christian Kern und dessen klares Verständnis der Beförderungsschwierigkeiten von Flüchtlingen zum Ausdruck. Prof. Zanger betont, dass die Flüchtlingskrise nicht plötzlich über Nacht entstanden ist. In dieser Frage müssen sowohl die EU als auch die USA sich an den Grundsatz halten, dass nur durch die Zusammenarbeit der Nationen Lösungen gefunden werden können, die den Flüchtlingen aus ihrer schwierigen Lage heraus zum Aufbau einer neuen Heimat verhelfen können. 

 

 

Flüchtlingsmädchen, das in Österreich eine Chance auf Ausbildung bekommen hat 

 

Für Prof. Zanger ist vor allem die rationale Auseinandersetzung mit diesen Fragen eine Notwendigkeit, die von einer breiteren und erweiterten Perspektive aus geführt werden muss. Man muss versuchen, das gegenwärtige Dilemma auf menschliche Art und Weise zu lösen, anstatt blindlings die Flüchtlinge abzulehnen, Polizei an die Grenzen zu entsenden und einen Zaun zu errichten. „In diesem Zusammenhang wäre eine Zusammenarbeit mit China vorstellbar. Ein gemeinsamer, umfassender Plan für den Neuaufbau in den vom Krieg zerstörten Gebieten könnte ausgearbeitet und eine Win-win-Situation angestrebt werden.“

In Bezug auf China hat Prof. Zanger viele persönliche Erfahrungen und Erlebnisse zu berichten. Im Jahre 1994 kam er zum ersten Mal in Kontakt mit der chinesischen Kultur, als er die Aufgabe übernahm, ein Institut für klassische Musik und Kultur in Beijing zu errichten. Doch aufgrund des kulturellen Konservatismus im China der damaligen Zeit verlief die Austauscharbeit nicht ganz reibungslos. Im selben Jahr begleitete er eine Delegation des österreichischen Justizministeriums zu einer Anti-Korruptionskonferenz nach China, wobei er auch erstmalig mit den dortigen Rechtsanwälten in engeren Kontakt und Austausch kam. Durch diese wechselseitige Auseinandersetzung begann er, den Wahrheitsgehalt der von den damaligen

österreichischen Mainstream-Medien verbreiteten, negativen China-Berichten zu hinterfragen. Er bemerkte, dass das wahre China, welches er selbst gesehen und erlebt hatte, keinesfalls nur ein korruptes Land ohne Freiheit und Menschenrechte ist, geschweige denn jenes abgeschottete, selbstgefällige Feudalland der Vergangenheit. Er bemerkte, dass in China ein rasanter Aufstieg, eine schwindelerregende Entwicklung im Gange war, doch den Menschen in Österreich war dies in keinster Weise bewusst. Durch diesen Informationsmangel würde Österreich viele gute Chancen verpassen. 

 

Zurück in Österreich erwachte bei Prof. Zanger ein starkes Interesse an China. Mit einer erneuten Einladung nach China im Jahr 2006 entstand eine unlösbare Bindung zu diesem Land. Infolge seiner präzisen Einschätzung der wirtschaftlichen Lage Chinas setzte ihm die im Jahr 2007 ausbrechende Finanzkrise weitaus weniger zu als anderen europäischen und amerikanischen Geschäftsleuten. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits ein Netzwerk zu über 120 chinesischen Anwälten errichtet und Kooperationsverträge mit vier namhaften Kanzleien unterzeichnet. All dies festigte seine Überzeugung, mit Chinesen eine langfristige Partnerschaft einzugehen. Er begann, mehrmals jährlich nach China zu fliegen und für diverse Investoren zahlreiche Schwierigkeiten zu beseitigen. Im Zuge dessen führte er vielerlei Investitionsprojekte durch, die ihn Schritt für Schritt in Kontakt mit dem Management chinesischer Großkonzerne brachten, mit denen er freundschaftliche Beziehungen aufbaute.

 

 

Der Vizebürgermeister von Deyang auf Delegationsbesuch bei der Austrian Chinese Business Association

 

 

Um die regelmäßige Kommunikation zwischen österreichischen und chinesischen Unternehmern zu fördern, gründete Prof. Zanger gemeinsam mit österreichischen Unternehmern im Jahr 2010 die Austrian Chinese Business Association (ACBA). Stolz verkündet er: „Zu Beginn gab es nur

einige wenige österreichische Geschäftsleute, die mit uns zu kooperieren bereit waren, doch durch den unermüdlichen Einsatz unseres Teams haben wir heute eine enge Beziehung nicht nur zur chinesischen Botschaft in Wien und der chinesischen Botschaft in Deutschland aufgebaut, sondern auch zu den chinesischen Unternehmen in Österreich (wie Huawei, Bank of China, etc.) und zu den großen chinesischen Handelskammern. Daneben arbeitet die ACBA mit den österreichischen Institutionen in China zusammen, und hat sogar eine Vollmacht für die Unterstützung von Geschäftsleuten beider Länder in Visa- und Aufenthaltsfragen. Mittlerweile empfangen wir jeden Monat Delegationen aus China, und scheuen keine Mühe, um die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen aus Österreich und China zu fördern.

 

Auch in der Frage, wie sich Österreich in die von Chinas Präsident Xi Jinping ins Leben gerufenen Initiativen „16+1 Zusammenarbeit“ und die „Neue Seidenstraße“ einbringen kann, bringt Prof. Zanger seine Ansichten zum Ausdruck. Er verrät, dass eine Delegation der ÖBB von 21. bis 26. Oktober nach China reisen und mit Managementvertretern verwandter Unternehmen zusammentreffen wird, um gemeinsam über Absichten und Kooperationsmöglichkeiten im Bereich der Transportlogistik zu diskutieren. Er ist überzeugt, dass Österreichs enorme technische Fähigkeiten in den Bereichen Umweltschutzmaterialien, Solarenergie, neue Energien und erneuerbare Energien, sowie bei Flughafenkonstruktion und ähnlichen Bereichen für Chinas Unternehmen von großem Interesse sind. Diesbezüglich hat er der österreichischen Regierung gezielt vier Vorschläge unterbreitet: „Zuallererst soll Österreich China visafreien Status zusichern. Zweitens soll es ein besseres Aufenthaltsrecht für Investoren und Unternehmer geben, die nach Österreich kommen, um Investitionshindernisse abzubauen. Außerdem soll es Verbesserungen im Bereich der Arbeitnehmersteuer und des Versicherungssystems geben, wobei man sich durchaus ein Beispiel an der ungarischen Kooperation mit China nehmen kann. Zuletzt sollte das Interesse der österreichischen Unternehmen und Beamten an China verstärkt werden.“

 

Neben der wirtschaftlichen Zusammenarbeit spielt für Prof. Zanger auch der kulturelle und akademische Austausch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Im Jahr 2013 kritisierte er in dem Artikel "Österreich braucht chinesische Studenten", dass der exzessive Formalismus der österreichischen Behörden bei der Beantragung von Arbeitsvisa für Doktoranden einen direkten Verlust einer großen Anzahl technischer Talente mit sich führt. Bis heute hält Prof. Zanger die Kommunikation mit dem Innenministerium aufrecht. Er hofft, dass sich die österreichische Regierung darüber im Klaren ist, von wem die stärkste Konkurrenz im Wettbewerb um Arbeitsplätze in Österreich ausgeht. Er scherzt: "Als ob es sich dabei nicht um jene Deutschen handeln könnte, die in großer Zahl die Plätze an den öffentlichen österreichischen Universitäten belegen?!" Gleichzeitig hegt er die Hoffnung, dass chinesische Studenten neben dem Erwerb von Deutschkenntnissen auch mehr über die österreichische Wirtschaft und Kultur lernen könnten.

 

 

Die deutsche Firma Spreadshirt vertreibt T-Shirts mit dem Aufdruck „Save a dog, eat a Chinese“ und ähnlichen Inhalten

 

 

Im Jahr 2017 vollbrachte Prof. Zanger auch eine „gerechte Tat“ für die Chinesen. Gegen die deutsche Firma Spreadshirt, welche T-Shirts mit dem Aufdruck „Save a dog, eat a Chinese“ und ähnlichen Inhalten vertreibt, brachte er eine Klage mit Verdacht auf „Verhetzung“ vor der Wiener Staatsanwaltschaft ein. Diese Angelegenheit führte im Netz zu gemischten Bewertungen. Auf diese Kritik hin befragt antwortet Prof. Zanger mit einem Sprichwort: „Viel Ehr, viel Feind!“ Für ihn ist eindeutig, dass mit derartigen Texten eine Grenze überschritten ist. Über den Begriff „Chinesen“ darf man sich nicht im Namen einer falschen Kunst lustig machen. Außerdem ist dieser Satz mehr als nur die Darlegung einer Tatsache, darin steckt eine

Provokation. Deshalb hat er beschlossen, in dieser Sache aufzustehen und die Stimme für das chinesische Volk zu erheben.

 

Mitverantwortlich für Professor Zangers tiefe Gefühle gegenüber China ist auch seine Gattin, Frau Zhang. Er erzählt, dass sie sich erst über Bekannte kennenlernten und schließlich den Weg zueinander fanden. "Ich bin sehr glücklich, diese Frau geheiratet zu haben. Ich muss sagen, durch sie habe ich viel über China erfahren und viele chinesische Freunde gefunden. Ihr verdanke ich auch, dass ich mehr über die authentische chinesische Kultur gelernt habe. Bei mir zu Hause sehe ich oft, wie im Austausch zwischen meinen Kindern und der Tochter meiner Frau die Funken kultureller Kollision sprühen. Ich halte das für sehr kostbar. "

 

Prof. Zanger weist darauf hin, dass er täglich die Tageszeitung "China Daily" liest, um Chinas Entwicklung zu verfolgen. Er erwähnt auch, dass viele Österreicher und Europäer bis heute Missverständnisse und Vorurteile gegen chinesische Frauen hegen, die sie für „Hausfrauen“ ohne eigenständige Gedanken und Kultur halten. "In Wirklichkeit hat mir das Zusammensein mit meiner Frau die wahre Seite der modernen chinesischen Frauen gezeigt. Der Status der Frauen im heutigen China ist wirklich sehr hoch. Bei unseren Reisen nach Shanghai, Peking, Shenzhen, in allen diesen großen Städte haben wir Frauen in hohen Positionen und unter den Führungskräften gesehen.“

 

An diesem Punkt, obwohl mein Besuch bereits vorbei ist, empfinde ich tiefe Bewunderung für Prof. Zangers Respekt gegenüber dem Leben, den Menschenrechten und der Gerechtigkeit. Sein Verstand und der freie Horizont seines Denkens wirken wie eine Inspiration. Für einen gebürtigen Österreicher ist so viel Zuneigung zu China tatsächlich etwas Besonderes. Seine Frau sagt, dass er jedes Mal sehr aufgebracht wird und es immer zu heftigen Diskussionen kommt, wenn eine falsche Bemerkung über China fällt oder er schlechtes Gerede über Chinesen hört. Eine derartige Zuneigung und Freundschaft beweist, dass Prof. Zanger verdientermaßen zu den geeignetsten Personen zählt, um die Brücke der Freundschaft zwischen China und Österreich zu errichten!

 

- THE END –

 

Für den Inhalt verantwortlich ist Frau Wen Jing, Journalistin bei Nouvelles d’Europe (Ausgabe für Mittel- und Osteuropa). Die Bilder stammen aus dem Archiv von Prof. Zanger und aus dem Internet. Bei Nachdruck ist EuroNews zu erwähnen.

 

 

 


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