Interview mit ACBA Präsident Prof. Dr. Georg Zanger

CR: Sehr geehrter Prof. Dr. Zanger die Austrian Chinese Business Association ist ein gemeinnütziger Verein, der sich die Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen und des kulturellen Austausches zwischen Österreich und China zum Ziel gesetzt hat. Was hat Sie dazu bewogen die ACBA zu gründen? Was sind die Aufgaben der ACBA?

 

Prof. Dr. Georg Zanger:

Im Jahre 2006 habe ich begonnen, mich intensiv mit der VR China zu beschäftigen. Anlass war die Einladung der chinesischen Rechtsanwaltskammer für einen Besuch von österreichischen Anwälten. Bei dem Besuch habe ich in verschiedenen Städten eine Vielzahl von Kollegenkennengelernt und ein Netzwerk begonnen. Zum Beginn stand die Frage im Raum:Wie können wir Patente, die ohne Lizenz vom Patentinhaber aus dem Westen in China angewendet werden legalisieren? Die gleiche Überlegung gab es auch bei Marken aus dem Westen. Als Lösung hat sich angeboten, die Lizenzgeber zu finden und mit deren Zustimmung Produkte mit der patentierten Technologie am europäischen Markt anbieten zu können. Eine Win-Win-Lösung für beide Seiten. (...)

Da die Lizenzinhaber mit der unerwarteten Lizenzgebühr nicht gerechnet haben, konnte der Lizenzpreis niedrig gehalten werden.

Es hat sich bald herausgestellt, dass bei chinesischen Unternehmen ein großes Interesse bestand, in Europa zu investieren, sich zu beteiligen und Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen. 

 

CR: Sehr geehrter Prof. Dr. Zanger die Austrian Chinese Business Association ist ein gemeinnütziger Verein, der sich die Stärkung der wirtschaftlichen Beziehungen und des kulturellen Austausches zwischen Österreich und China zum Ziel gesetzt hat. Was hat Sie dazu bewogen die ACBA zu gründen? Was sind die Aufgaben der ACBA?

 

Prof. Dr. Georg Zanger:

Im Jahre 2006 habe ich begonnen, mich intensiv mit der VR China zu beschäftigen. Anlass war die Einladung der chinesischen Rechtsanwaltskammer für einen Besuch von österreichischen Anwälten. Bei dem Besuch habe ich in verschiedenen Städten eine Vielzahl von Kollegenkennengelernt und ein Netzwerk begonnen. Zum Beginn stand die Frage im Raum:Wie können wir Patente, die ohne Lizenz vom Patentinhaber aus dem Westen in China angewendet werden legalisieren? Die gleiche Überlegung gab es auch bei Marken aus dem Westen. Als Lösung hat sich angeboten, die Lizenzgeber zu finden und mit deren Zustimmung Produkte mit der patentierten Technologie am europäischen Markt anbieten zu können. Eine Win-Win-Lösung für beide Seiten. Da die Lizenzinhaber mit der unerwarteten Lizenzgebühr nicht gerechnet haben, konnte der Lizenzpreis niedrig gehalten werden.

Es hat sich bald herausgestellt, dass bei chinesischen Unternehmen ein großes Interesse bestand, in Europa zu investieren, sich zu beteiligen und Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen.

Diese Absicht wurde genau im Jahr 2006 dadurch begünstigt, dass die chinesische Regierung die Grenzen für die Expansion für chinesische Privatunternehmen in den Westen geöffnet hat. Private Unternehmer waren bereits seit einiger Zeit in China Realität, jetzt begannen sie, auch stärker im Ausland aufzutreten.

Zum Unterschied von staatlichen Unternehmen, die schon lange bei uns am Markt waren, fehlte den privaten Unternehmen Erfahrung, sodass sich eine Unterstützung, um sich in den neuen Märkten zurecht zu finden, und die rechtliche, gesellschaftliche und kulturelle Situation zu verstehen, als notwendig erwiesen hat. Das war der Beginn der Überlegung, chinesische Unternehmen zu betreuen, wenn sie nach Europa und insbesondere nach Österreich kommen. Die Grundlage für die Gründung der „Austrian Chinese Business Association“ im Jahr 2010 war geschaffen.

Sehr bald hat sich herausgestellt, dass hier keine Einbahnstraße vorliegt, sondern Leistungen vice versa angeboten werden, d.h. dass die ACBA inzwischen auch eine Vielzahl von österreichischen Unternehmen berät, die in China ihre Produkte verkaufen, sich bei chinesischen Unternehmen beteiligen bzw. eigene Unternehmen gründen wollen.

Die ACBA übt selbst keine kommerzielle Tätigkeit aus, d.h. wir finanzieren uns hauptsächlich über Mitglieds- und Sponsorbeiträge. Wir haben Unternehmer aus den verschiedensten Bereichen. Wir sind stolz darauf, dass auch große Unternehmen, wie die ÖBB und die Abteilung 9 des Landes Kärnten, die Firma BACOPA, Great Wall Motor, CISEMA, METRO, Western Union, usw. […] zu unseren Mitgliedern zählen.

Inzwischen empfangen wir regelmäßig Delegationen aus verschiedenen Regionen und Städten aus der VR China und besuchen selbst mehrmals im Jahr China. Darüber hinaus pflegen wir regelmäßig Kontakt mit der chinesischen Botschaft in Österreich. Auf diese Weise sind wir in der Lage, wichtige Informationen sehr schnell zu erlangen, und können diese insbesondere auch an österreichische Entscheidungsträger weitergeben.

Wie bereits dargelegt, ist es ein Hauptziel der ACBA, die Beziehungen zwischen China und Österreich zu verbessern. Im Sinne des erfolgreichen Besuches von Bundespräsident Heinz Fischer setzen wir die Freundschaftssignale zur VR China fort. Nachdem Christian Kern von der SPÖ Bundeskanzler geworden war, konnte der neu inaugurierte Botschafter Li Xiaosi schon bei seinem Antrittsbesuch die Intensivierung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Österreich und China mit offenen Armen ankündigen.

Nachdem die neue Regierung unter Bundeskanzler Sebastian Kurz das Seidenstraßen-Projekt über Anregung der ACBA in das Regierungsprogramm aufgenommen hat, stand dem nun bevorstehenden Besuch des Bundespräsidenten Alexander van der Bellen und der österreichischen Regierungsdelegation nichts mehr im Wege. Inzwischen hat die ACBA auch einen regelmäßigen Kontakt mit der Wirtschaftsministerin Elisabeth Schramböck und der Außenministerin Karin Kneissl. Die China-Reise wird zu einem großen Erfolg werden, und die Unterzeichnung eines „Memorandum of Understanding“ (offizielle Absichtserklärung) wird – so hoffen wir – der Grundstein dafür sein, dass Österreich wieder zur Drehscheibe in Europa wird und vor allem auch den chinesischen Interessen Rechnung getragen wird, von hier aus die wirtschaftlichen Interessen auszubreiten. Wir sind stolz darauf, dass die ACBA ein Teil dieses Erfolges ist.

 

CR: Was sind die bisher größten Erfolge, die die ACBA im Austausch mit China erzielen konnte?

 

GZ: Wie man unserer Homepage www.acba.at entnehmen kann. Veranstalten wir laufend Events, die dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und die chinesische Kultur, insbesondere in wirtschaftlichen Belangen, besser kennenzulernen. Besonders stolz sind wir darauf, dass es uns gelungen ist, das bisher größte Investitionsforum beider Länder im Dezember 2017 organisieren zu dürfen. Bei dem „Sino-Österreichische Wirtschafts- und Investitionsforum mit der Provinz Zhejiang“ konnten 137 Unternehmen aus der Provinz Zhejiang empfangen werden. Der ACBA ist es gelungen, etwa 140 österreichische Unternehmen zu diesem Event zu bringen. Das Interesse an den chinesischen Unternehmen konnte dadurch geweckt werden, dass die chinesischen Unternehmer nicht nur den Inhalt ihrer Unternehmen darstellten, sondern insbesondere im Detail in einem 60 Seiten fassenden Katalog jene Produkte und Dienstleistungen definierten, die sie konkret interessieren. Die österreichischen Unternehmen konnten sich daher mit ihren Wünschen darauf einstellen. So war es dann auch nicht verwunderlich, dass allein am Nachmittag dieses Events Verträge über ein Ausmaß von etwa 22 Million Euro abgeschlossen wurden und Kooperationsvorhaben in Aussicht genommen wurden.

 

CR: Sie werden als Mitglied der österreichischen Delegation gemeinsam mit Bundespräsident Van der Bellen und Bundeskanzler Kurz im April zu einem Staatsbesuch nach China reisen. Welche Ergebnisse erwarten Sie von dem anstehenden Staatsbesuch?

 

GZ: Wir werden eine Vielzahl von neuen Kontakten bei diesem Besuch schließen können und viele unserer chinesischen Mitglieder und Partner sowohl in Peking als auch in Chengdu treffen können. Tatsächlich werden Mandanten meiner Kanzlei im Rahmen einer Zeremonie im Beisein der Minister beider Staaten neben anderen Wirtschaftstreibenden einen bedeutenden Vertrag im Bereich von Technologie und Umweltschutz gemeinsam mit dem Vertragspartner, einem der wichtigsten Landwirtschaftsunternehmen Chinas, unterzeichnen.

Es ist zu erwarten, dass eine Vielzahl von konkreten Absichtserklärungen für weitere Vertragsbeziehungen abgegeben werden. Damit werden die Bestrebungen, die schon von der ÖBB im Oktober 2017 eingeleitet wurden, auch von anderen Unternehmen fortgesetzt werden.

Der Staatsbesuch wird Vorurteile gegenüber China abbauen und dazu beitragen, dass mehr Vertrauen in die wirtschaftlichen Beziehungen von Unternehmen beider Staaten einfließt.

Wien wird auch für die VR China wieder an Bedeutung gewinnen, nachdem sich die Bank of China vor zwei Jahren bereits in Wien niedergelassen hat und die größte Wirtschaftsbank Chinas, Industrial Bank of China, mit der wir regelmäßig zusammenarbeiten, ihre Bankkonzession in Österreich erwerben wird, steht der Errichtung der „Ost-Europazentrale Österreich“ nichts mehr im Wege.

 


weiter zu ...